Landkreis NEW ist „smarte Landregion”

Im Rahmen des online durchgeführten Zukunftsforums für ländliche Entwicklung übergab Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Förderurkunde für das Modellvorhaben „Smarte.Land.Regionen.“ an den Landkreis NEW. Die Förderung beträgt auf drei Jahre verteilt bis zu 1 Million Euro.

Durch das Modellvorhaben werden die Entwicklung und der Ausbau neuer digitaler Dienste gefördert. Das Ziel ist die Verbesserung der regionalen Daseinsvorsorge, insbesondere in den Bereichen wie E-Mobilität, Telemedizin und Bildung. Die Chancen der Digitalisierung sollen somit gewinnbringend für die Menschen in ländlichen Räumen verwirklicht. Der Landkreis Neustadt an der Waldnaab hat sich als einer von bundesweit nur sieben Landkreisen in einer zweistufigen Bewerbungsphase durchgesetzt und kann die Fördermittel in den nächsten drei Jahren einplanen, um ein „digital-analoges Versorgungszentrum“ aufzubauen.

Zwei Varienten der Online-Diagnose

In ländlichen Regionen wie der Nordoberpfalz werden zunehmend neue Strategien erforderlich, um Herausforderungen der Gesundheitsversorgung vor Ort bewältigen zu können. Zum demografischen Wandel bei Versorgern und Patienten kommen auch Fragen der Mobilität und Logistik hinzu. Der Landkreis NEW konzipiert als Antwort darauf einen physischen Anlaufpunkt, vergleichbar einer Arztpraxis vor Ort, inklusive der Ausstattung mit professionellen, medizintechnischen Geräten, an dem sich Patienten und Ärzte begegnen – allerdings virtuell.

Diese Begegnung kann in zwei Formen erfolgen: Bei der ersten Variante befindet sich der Patient vor Ort im Versorgungszentrum und der Allgemein- oder Facharzt wird per Video zugeschaltet. Die Bedienung der Geräte, die physische Diagnose und Therapie vor Ort erfolgt durch qualifizierte medizinische Fachangestellte, auf welche Teile der ärztlichen Tätigkeiten übertragen werden können.  Möglich ist in dieser Variante weiterhin, dass der Allgemeinarzt ebenfalls vor Ort anwesend ist, jedoch Fachärzte online zugeschalten werden, so dass die Untersuchungsergebnisse gemeinsam betrachtet und besprochen werden können.

Bei der Variante 2 sind Haus- oder Fachärzte aus dem vor Ort im Versorgungszentrum. Der zugeschaltete Patient wird per Videosprechstunde betreut. Die Patienten können sich aus ihrem häuslichen Umfeld entweder eigenständig oder mit Unterstützung eines Versorgungsassistenten von zu Hause oder medizinischen Fachangestellten  in der Hausarztpraxis zuschalten. Auch eine Zuschaltung aus einer mobilen Praxis z. B. aus einem Seniorenheim ist denkbar, bei der Untersuchungen vor Ort durch medizinische Fachangestellte durchgeführt und die Ergebnisse digital und in Echtzeit an den zugeschalteten Arzt übermittelt werden.

Vorbild für andere

Die digitalen Vorhaben in den geförderten Landkreisen besitzen jeweils modellhaften Charakter. Sie greifen neue Ideen auf und entwickeln übertragbare Lösungen. Die entwickelten digitalen Dienste sollen miteinander verbunden werden und auch auf andere Landkreise übertragbar sein. Wenn sich das digital-analoge Versorgungszentrum in NEW also bewährt, dann kann das Konzept in anderen ländlichen Regionen ähnlich umgesetzt werden.

Hintergrund

  • Das Modellvorhaben Smarte.Land.Regionen ist eine Fördermaßnahme des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE).
  • Das Kompetenzzentrum Ländliche Entwicklung (KomLE) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) setzt das Modellvorhaben um und ist als Geschäftsstelle des Modellvorhabens auch Ansprechpartner für die Bereitstellung und Abwicklung der Förderung.
  • Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE setzt die technische Entwicklung, Erprobung und Erforschung der zentralen digitalen Lösungen mit den Modellregionen um und baut eine digitale Plattform auf.

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