„Ich will immer wieder raus aus meiner Komfortzone.“

Der 18jährige Jonas Plößner aus Pressath ist Medienjunkie, Schlägertyp, Musiker und Naturbursche. In seinem adrett aufgeräumten Jugendzimmer findet man die unterschiedlichsten Accessoires und Gegenstände – als ob dort verschiedene Personen leben würden: eine Film-und Fotoausrüstung, ein Power-Rechner mit 3D-Software, ein Longboard, Bücher über Wirtschaftspsychologie und eine Kampfausrüstung. Ein Nerd? Ganz und gar nicht!

Der frisch gebackene Abiturient hat seine allgemeine Hochschulreife am Gymnasium in Eschenbach in der Oberpfalz „so nebenbei“ mit einem Eins vor dem Komma erklommen. Damit sind alle Voraussetzungen geschaffen, ab dem Wintersemester ein Bachelor-Studium für Multimedia und Kommunikation mit Studienrichtung 3D Graphics an der Hochschule Ansbach zu beginnen. Also geht es – zumindest physisch und unter der Woche – erstmal weg aus NEW. Gedanklich ist Jonas jedoch weiterhin daheim. Mit seinem Freund Maximilian Melzner, den er in der Schule kennengelernt hat, setzt er immer wieder Filmprojekte um. Anfang des Jahres realisierten die beiden und eine rund 20köpfige Crew einen Film mit dem Titel „Artikel 13“. Bei der Produktion des Streifens über die umstrittene und polarisierende EU-Urheberrechtsreform stand unter anderem eine Verfolgungsjagd auf einer eigens abgesperrten Gemeindestraße auf dem Drehplan. Jonas arbeitete am Set mit und erstellte in der Postproduktion Animationen und abstrakte Bildinhalte entsprechend den Regievorgaben.

Jonas’ Talente und Angebote firmieren unter dem Agenturnamen „Cut nochmal“, ein Unternehmen, das er schon mit 17 beiläufig auf seinem Weg zum Abitur gründete. Um als Minderjähriger beim Gewerbeamt seine eigene Firma anzumelden, brauchte es unter anderem das Einverständnis der Eltern und einen persönlichen Gesprächstermin beim Amtsgericht. Seitdem hat sich sein NEW-Business mehr und mehr entwickelt. Parallel hilft er noch in der Werbeagentur seines Cousins als 3D-Artist mit. „Ich bin Autodidakt“, beschreibt Jonas seinen Drang, jeden Tag „zumindest eine Seite zu lesen“ und regelmäßig neue Sachen zu lernen. „In meinem Kopf ist alles relativ durchgeplant und ich will immer wieder raus aus meiner Komfortzone.“ So hat er sich auch einige Skills an den Turntables beigebracht und legt regelmäßig als DJ bei Veranstaltungen auf. Natürlich braucht es dazu auch technisches Know-how im Umgang mit Sound- und Licht-Ausrüstung, weswegen Veranstaltungstechnik ebenfalls in seinem Portfolio zu finden ist.

Ein Hobby, das er tatsächlich klassisch von einem Lehrer gelernt hat, ist das Musizieren. In der Musikschule Vierstädtedreieck e.V. in Pressath hat er mit 9 Jahren als Saxofon-Schüler begonnen. Heute spielt er dort im rund 20köpfigen Blasorchester. „Ich habe viel Freude daran, mit anderen zusammenzuarbeiten“, nennt er in diesem Zusammenhang auch als Motivation dafür, wieso er sich beispielsweise als Jahrgangsstufensprecher engagiert hatte. Ein Orchester ist eben ein gutes Abbild von Teamwork. Außerdem betreibt  Jonas „Krav Maga“. Noch nie gehört? Nein, das ist kein Onlinegame, sondern ein israelischer Selbstverteidigungssport, der prinzipiell aus Schlägen und Tritten besteht. Jonas trainiert selbst im Verein „Get ready to defend“ in Grafenwöhr und unterrichtet als Trainer Kinder- und Jugendgruppen. Es geht bei dem Sport darum, Handlungsabfolgen zu erlernen, um brenzlige Momente wie beispielsweise Mobbing oder Angriffe auf dem Schulhof zu deeskalieren und sich eben auch körperlich wehren zu können, wenn es sein muss.

So wirklich langweilig wird es dem Multitalent nicht. „So weit lasse ich es nicht kommen.“ Trotzdem darf es auch mal ruhig sein um ihn herum: Der Abiturient liebt es, draußen in der Natur zu sein und abzuschalten. Er fährt gerne mit dem Fahrrad oder sammelt ein paar Fotos im Wald. Nach dem Studium will er auf jeden Fall wieder ganz zurück nach NEW. Eine Großstadt findet er zwar interessant, aber zum Leben wäre sie ihm zu eng, zu hektisch. Er findet, dass er hier im Landkreis alle Möglichkeiten und vor allem auch den Platz dafür hat. Später mal hätte er gerne ein Haus mit einem großen Garten. So wie das, in dem er momentan noch mit seinen Eltern und seiner Zwillingsschwester Alisa wohnt.

„In jedem meiner Designs steckt mein Herzblut.“